Vor der Erstellung eines familienpsychologischen Gutachtens

Im Gutachtenprozess - vor der Begutachtung

 

Wenn Eltern kurz vor einer Begutachtung stehen, gibt es Vorkehrungen, die sie treffen können.

 

Je nach Ausgangslage ist es wichtig – gerade im Hinblick auf die Fragestellung des Gutachtens – schon vorher wichtige Dokumente zu sammeln und anzufordern.

 

Wer hat das Kind in der Vergangenheit hauptsächlich betreut? Wer nahm die Kinderarzt und –therapeutentermine wahr? Wer brachte das Kind in den Kindergarten?

 

Werden von der Gegenseite Vorwürfe laut um eine Sorgerechtsentscheidung positiv zu beeinflussen, können noch weitere Stellungnahmen und Schreiben von Vorteil sein. Im Hinblick auf mögliche vorgeworfene psychische Einschränkungen kann sich der betroffene Elternteil einen Befund von einem approbierten Psychotherapeuten erstellen lassen, der bescheinigt, dass keine pathologischen Störungen vorliegen.

 

 

Unter Umständen kann es schwierig sein Stellungnahmen von Dritten (Schule, Kindergarten, Kinderarzt) zu bekommen. Sollten im Verlauf der Begutachtung Vorwürfe der Kindeswohlgefährdung aufkommen, kann das Jugendamt (JA) auch noch einmal unabhängig von dem Gutachter Stellungnahmen anfordern von diesen Institutionen. Das Elternteil muss dann (je nach Verhältnis zum Sachbearbeiter des JA & abhängig davon ob eine Schweigepflichtsentbindungserklärung vorliegt) das Jugendamt bitten bei den entsprechenden Institutionen Auskunft einzuholen.

 

Unserer Erfahrung nach werden Stellungnahmen von Privatpersonen beim Familiengericht nicht gelesen oder beachtet. Es macht also kaum Sinn von möglichst vielen „Zeugen“ aus dem Umfeld Stellungnahmen einfließen zu lassen. 

 

Vorsichtig sollte man dann auch in den Gesprächen mit dem Gutachter sein, wenn die Begutachtung erstmal angefangen hat. Jeder Elternteil sollte sich darüber bewusst sein, dass jeder Aussage am Ende gegen ihn verwendet werden kann. Egal, wie nett und aufgeschlossen sich der Gutachter gibt.

 

Mit Vorwürfen gegenüber dem anderen Elternteil sollte der Begutachtete vorsichtig sein. Lieber beim Kind bleiben und versuchen mit den Gefühlen des Kindes zu argumentieren.Weiterhin ist es nicht sehr ratsam dem Gutachter sein Herz auszuschütten über jeden Konflikt im eigenen Elternhaus, Erkrankung oder sonstige sensible Dinge.

 

Wir haben als Betroffene Einblick in viele Sachverständigengutachten bekommen. Was verwundert ist, dass bei manchen Eltern ein Verhalten als problematisch empfunden wird und in einem anderen Gutachten der gleiche Sachverhalt ganz anders beurteilt wird.

 

Wichtig ist hier das Prinzip des Bestätigungsfehlers (confirmation bias) zu kennen.

Der Begriff kommt eigentlich aus der Kognitionspsychologie. Er bedeutet, dass das Ergebnis für den Gutachter quasi schon vorab feststeht, er im Laufe der Begutachtung nur noch nach Belegen für dieses Ergebnis sammelt.

 

Wikipedia - Bestätigungsfehler

Rolf Ziese erstellte für seine ehemalige Internetseite gwg-gutachten.de (nicht zu verwechseln mit dem Institut für Rechtspsychologie GWG in München) hilfreiche Informationen für betroffene Eltern:

 

Was ist vor der Erstellung des psychologischen Gutachtens zu beachten?

 

Die folgenden Fragen sollten vor der Erstellung des Gutachtens an den Gutachter gerichtet werden. Der Gutachter sollte in der Lage sein, diese Fragen zu beantworten. Ein seriöser Gutachter wird es begrüßen, wenn Sie vor der Erstellung des Gutachtens Fragen haben und diese bereitwillig beantworten. Er wird sich freuen, dass sie interessiert sind und an dem Gutachten aktiv teilnehmen wollen. Sie sollten auch keine Angst haben, dass Sie es sich mit dem Gutachter "verscherzen", wenn Sie diese Fragen stellen. Ein Gutachter mit der entsprechenden Ausbildung wird sachlich und fundiert auf Ihre Fragen antworten.

 

1. Ist der Gutachter für die Beantwortung der Fragestellung der zuständige Experte?

Diese Frage löst beim Richter und Gutachter schon mal Verblüffung aus, besonders wenn sie keine Antwort darauf wissen. Viele Richter wissen schlicht und ergreifend nichts über die Ausbildung des jeweiligen Gutachters. Natürlich hält sich der Gutachter fast immer für den zuständigen Experten, denn wer lässt sich schon gerne einen Auftrag entgehen?
Wenn der jeweilige Gutachter keine brauchbaren Methoden vorweisen kann, um dem gerichtlichen Auftrag überhaupt gerecht zu werden, dann ist er verpflichtet diesen Auftrag abzulehnen. Viele Gutachter wissen, dass die von ihnen verwendeten Methoden völlig unbrauchbar sind und sie nicht die ausreichende Qualifikation haben. Sie nehmen trotzdem den Auftrag an, da sie auf das Geld angewiesen sind.

 

2. Welche spezielle Ausbildung für die Erstellung von Gutachten hat der Gutachter?
Für die Zulassung als Gutachter beim Gericht ist keine besondere Qualifikation notwendig, hier ist oft der Titel ausreichend. Ob der Gutachter im Rahmen seines Studiums sich überhaupt mit dem jeweiligen Fachgebiet beschäftigt hat, wird vom Gericht auch nicht überprüft. Also fragen Sie Ihren Gutachter und lassen sie sich eine schriftliche Antwort geben.

 

3. Wie hoch werden die Kosten sein?
Lassen Sie sich vor Erstellung des Gutachtens einen schriftlichen Kostenvoranschlag vom Gutachter geben. Sie haben ein Recht darauf, denn Sie müssen ja die Zeche zahlen! Fragen Sie Ihren Gutachter, ob er eine 50%ige Erhöhung gemäß §3 Abs. 3b ZSEG (Gesetz über die Entschädigung von Zeugen und Sachverständigen) berechnen wird. Dieser Gutachter hat außer seinen Einnahmen die er mit Gutachten erzielt keine weiteren relevanten Einnahmen und bekommt deshalb 50% Zuschlag. In diesem Zusammenhang können Sie ja mal fragen, ob der jeweilige Psychologe eine Kassenzulassung hat und eine eigene Praxis besitzt. Fragen Sie auch, warum er nicht Einnahmen aus anderen Tätigkeiten erzielt, denn oft haben diese "Gutachter" nicht die notwendige Qualifikation um eine Kassenzulassung zu erhalten (Psychotherapeutengesetz, Änderung vom 1.1.1999).

 

4. Gibt es vom Gutachter Vorträge und Veröffentlichungen?
Diese Frage ist besonders interessant. Wer sich als Gutachter für das Kindeswohl einsetzt, der sollte auch mit Leib und Seele dabei sein. Da ja ein Gutachten eine wissenschaftliche Leistung ist, sollte der Gutachter auch entsprechende wissenschaftliche Veröffentlichungen und Vorträge vorweisen können. Wenn der Gutachter z.B. zum Thema PAS Stellung nehmen soll, dann ist es besonders wichtig, was der Gutachter zu diesem Thema schon alles veröffentlicht hat. Fragen Sie in diesem Zusammenhang auch mal nach der Teilnahme an Kongressen und Fachvorträgen und führen Sie selbst einige Recherchen im Internet durch.

 

5. Arbeitet der Gutachter nach den Richtlinien des BDP?
Die "Richtlinien für die Erstellung psychologischer Gutachten" vom "Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen" sollten für den Gutachter verbindlich sein. Also sollte er auch schriftlich erklären, dass diese Richtlinien die Grundlage für sein Gutachten sind. In der Broschüre heißt es: "Psychologische Gutachten zu erstellen, gehört zu den zentralen Berufsaufgaben von Diplompsychologen. Darum halten es der BDP und die DGPs für ihre Aufgabe, Standards zu formulieren und transparent zu machen, an denen sich ein Psychologisches Gutachten messen lassen muß." Der Gutachter sollte also klar Stellung beziehen und nicht ausweichen.

 

6. Kann ich die Explorationsgespräche mit einem Tonband aufzeichnen?
In den "Richtlinien für die Erstellung psychologischer Gutachten" des BDP heißt es: "Alle Befunde, auf die sich die Schlußfolgerungen des Gutachtens stützen, müssen mit ihrer Dokumentations-Quelle genannt werden. Dabei kann auch die Art der Dokumentierung von Bedeutung sein (z.B. Tonbandprotokolle).".
Der Gutachter sollte grundsätzlich zustimmen, wenn Sie die Explorationsgespräche auf Tonband aufzeichnen wollen. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, der gegen eine Tonbandaufnahme spricht. Im Gegenteil: Bei späteren Reklamationen sind die Tonbandaufzeichnungen für beide Seiten eine sichere Informationsquelle. Hat der Gutachter ggf. etwas falsch verstanden, dann können Sie anhand der Tonbandprotokolle auch in strittigen Fällen Klarheit schaffen.

 

7. Kann der Gutachter seine Vorgehensweise bei der Erstellung des Gutachtens erläutern?
Der Gutachter sollte vor der Erstellung des Gutachtens seine Vorgehensweise erläutern. Es ist wichtig, dass Sie genau wissen was auf Sie zukommt! Gehen Sie nicht unvorbereitet in die Begutachtung hinein!

Folgende Fragen sollte der Gutachter schriftlich beantworten:

Wie sieht der detaillierte Untersuchungsplan und -ablauf aus?

Welche wissenschaftlichen Tests sollen durchgeführt werden (Literaturangabe!)?

Welche systematischen Beobachtungsverfahren sollen verwendet werden?

Lassen Sie sich nicht abwimmeln! Der Gutachter kann die Kosten für die Beantwortung dieser Fragen später berechnen.

  

8. Bietet der Gutachter in seiner Praxis Hilfestellung und Unterstützung an?
Das ist der Idealfall. Ein Gutachter sollte für alle Parteien auch nach dem Gutachten hilfreich zur Verfügung stehen.

 

9. In welchen Verbänden ist der Gutachter organisiert?
Gutachter sind oft in Verbänden (z.B. BDP) organisiert. In diesem Fall haben sie später die Möglichkeit mit Ihrem Gutachten beim Ehrengericht des BDP vorzusprechen, falls Sie Einwände haben. Versprechen Sie sich allerdings nicht zu viel davon, denn viele Verbände wissen sehr wohl um die mangelnde Qualität der Gutachten. Sie unternehmen aber nichts, da sie auch die (finanziellen) Interessen ihrer Mitglieder vertreten.

 

10. Hat der betreffende Gutachter schon mehrere Gutachten für den Richter erstellt?
Diese Frage ist besonders wichtig. Oft besteht zwischen dem Richter und dem Gutachter eine langjährige "Geschäftsbeziehung" und ggf. sogar ein Abhängigkeitsverhältnis von Seiten des Gutachters. Der Gutachter wird in diesem Fall besonders darauf achten, dass sein Gutachten auch vom Richter akzeptiert wird. Ist dies nicht Fall, dann bleiben weitere Folgeaufträge aus und eine wichtige oder auch die einzige Einnahmequelle ist versiegt. Von Unabhängigkeit des Gutachters kann hier nicht mehr die Rede sein!

 

11. Erzielt der Gutachter seine Einnahmen überwiegend durch Gutachten?
Ein Gutachter sollte seine Einnahmen nicht überwiegend mit der Erstellung von Gutachten erzielen. Im Idealfall sollte er eine Kassenzulassung haben und eine eigene psychologische Praxis betreiben. Dann erzielt er seine Einnahmen überwiegend aus der eigenen Praxis und erstellt Gutachten aus eigenem Interesse an der Sache und nicht um vorwiegend schnelles Geld damit zu verdienen. Nur dann ist er auch wirklich unabhängig und kann auch ein Gutachten erstellen, ohne auf finanzielle Gesichtspunkte Rücksicht zu nehmen.

 

12. Gehört der Gutachter einem Institut an?
In letzter Zeit gibt es immer mehr sogenannte Institute mit oft sehr klangvollen Namen. Zunächst ist festzustellen, dass der Begriff Institut rechtlich nicht geschützt ist, denn jeder kann ein Institut eröffnen. So mutiert das Wohnzimmer des Gutachters zu einem kompletten "Zweiginstitut" und wird auf den Internetseiten des "Hauptinstituts" so aufgeführt. In den meisten Fällen handelt es sich bei den "Instituten" lediglich um kommerzielle Firmen, die mit dem Kinde$wohl Geld verdienen wollen. Hier gelten ausschließlich marktwirtschaftliche Grundsätze und es muss mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Gewinn erzielt werden. Die Qualität der Gutachten bleibt zwangsläufig auf der Strecke.


Diese Firmen verfügen oft nur über eine dünne Kapitaldecke und "beschäftigen" Gutachter auf freiberuflicher Basis, da für Mitarbeiter mit einem festen Arbeitsverhältnis kein Geld vorhanden ist. Die Gutachter werden ausschließlich pro Gutachten bezahlt und erhalten ca. 60-80% der Rechnungssumme. Sie müssen bei der Beauftragung eines solchen Instituts damit rechnen, eine über dem Durchschnitt liegende Rechnung zu erhalten, da der Gutachter ja auch etwas verdienen muss.

Dabei wird die Verantwortung für das Gutachten von dem Institut auf den jeweiligen Gutachter abgewälzt. Falls Sie sich bei dem "Institut" über eine zu hohe Rechnung oder ein mangelhaftes Gutachten beschweren wollen, werden Sie feststellen müssen, dass der "Institutsleiter" die Verantwortung für das Gutachten ablehnen wird.

 

13. Fragen Sie deshalb Ihren Gutachter:

 

Warum ist der Gutachter Mitglied bei diesem Institut?

Welche Arbeit leistet das Institut?

Welche Veröffentlichungen gibt es von diesem Institut?

Ist das Institut staatlich anerkannt?

Gibt es Fortbildungsveranstaltungen für Gutachter bei diesem Institut?

Hat das Institut eine unabhängige Einrichtung für die Qualitätssicherung von Gutachten?

Wird in diesem Institut wissenschaftlich gearbeitet oder gibt es hier nur eine Person die Beiträge und Veröffentlichungen schreibt?

Haben die Institutsleiter ordentliche akademische Titel oder sind diese ggf. im Ausland erworben?

Gibt es im Institut einen Ansprechpartner bei Beanstandungen?

Hat das Institut eine Internet-Präsenz (anschauen)?

 

Viele Gutachter versuchen durch die Mitgliedschaft in einem solchen Institut von ihrer fehlenden Qualifikation abzulenken. Den Gerichten soll durch Zeugnisse und Empfehlungen dieser "Institute" eine besondere wissenschaftliche Qualifikation des Gutachters vorgetäuscht werden. Ein seriöser Gutachter wird die Mitgliedschaft in einem solchen "Institut" vermeiden und wird sie auch aufgrund seiner Qualifikation nicht benötigen.

 

14. Trägt der Gutachter einen Phantasietitel?
Mitunter führen vom Gericht bestellte Gutachter bedeutsam klingende Phantasietitel wie "Rechtspsychologe", "Gerichtspsychologe", "Fachpsychologe für Rechtspsychologie" und "Gerichtssachverständiger" oder auch "Gerichtsgutachter". Wenn außer dem Titel Diplompsychologe der Gutachter noch einen anderen Titel führt, dann recherchieren Sie, ob dieser Titel rechtlich geschützt und damit anerkannt ist. Diese Phantasietitel sind überwiegend nichts wert und sollen dem Gericht lediglich eine besondere Qualifikation vortäuschen. Wenn Sie also einen Phantasietitel entdeckt haben, dann fragen Sie Ihren Gutachter warum er diesen Titel trägt und bitten um eine schriftliche Stellungnahme.

 

 (Quelle: Rolf Ziese / gwg-gutachten.de)

Anbei ein wichtiger Link zu einem Fachtext von Friedrich Wilhelm Heumann "Das Sachverständigengutachten im Familiengerichtlichen Verfahren.

 

Heumann: Das Sachverständigengutachten im familiengerichtlichen Verfahren

 

Heumann setzt sich hier mit den gesetzlichen Grundlagen eines Sachverständigengutachtens auseinander.

Besonders interessant ist die Unterscheidung des Freibeweises und des Strengbeweises.

 

Der Richter muss sich nicht an die Beweisanträge der Beteiligten halten - er kann seine Erkenntnisse frei gewinnen. Hier unterscheidet sich das FamFG vom klassischen zivilgerichtlichen Streitverfahren. Die Eltern können zwar alles mögliche vorlegen, aber die Beweise müssen eben nicht einbezogen werden.

 

Weiterhin geht es hier auch um die Beweisfrage, die oft in Gutachtenaufträgen falsch gestellt ist.

 

Heumann schreibt dazu "Der Auftrag durch das Gericht an den Sachverständigen hängt in erster Linie davon ab, welche fehlende Sachkunde das Gericht mit Hilfe des Sachverständigen erwerben will.

 

Geht es darum, die Frage zu entscheiden, das Sorgerecht für den Fall der Scheidung allein auf die Mutter oder den Vater zu übertragen, so ist dafür gemäß § 1671 Abs. 2 Ziff. 2 BGB die Frage zu beantworten, welche Regelung am ehesten dem Wohl des Kindes entspricht.

 

Keineswegs darf das Gericht aber daran gehen, den Auftrag an den Sachverständigen so zu vergeben, dass der Sachverständige genau diese Frage bantwortet. Der Sachverständige darf nicht in die Rolle des Richters schlüpfen, er bleibt Gehilfe des Gerichts.

 

Die Aufgabe des Sachverständigen besteht viemehr darin, aus den bekannten Tatsachen die für die Beantwortung der Beweisfrage wichtigen Schlußfolgerungen zu ziehen. Das Dilemma besteht aber häufig genug darin, daß dem Sachverständigen keine oder nur unzureichende Anschlußtatsachen bekannt sind, was häufig genug darauf zurückzuführen ist, dass die Parteien selber oder ihre Prozeßvertreter nicht ausreichend genug vortragen.

 

Das Gericht erliegt bei einer solchen Aktenlage sehr häufig der Versuchung, die fehlenden tatsächlichen Anhaltspunkte durch den Sachverständigen "beschaffen" zu lassen, so daß der Sachverständige häufig zunächst die Rolle eines "Ermittlers (und anschließend die Rolle eines Zeugen) einnummtm was nicht seine Aufgabe sein kann.

 

Aus dem Amtsermittlungsgrundsatz ist vielmehr zu folgern, dass das Gericht selbst die fehlenden tatsachen ermitteln muss."

Die emotionale Seite & psychologisches Coaching

Ein Gutachten ist generell eine große Herausforderung für Eltern, die sich sowieso gerade im Ausnahmezustand durch die Trennung und die damit verbundenen Folgen befinden.

Eine völlig unbekannte Person fragt über Details aus dem Privatleben, bohrt in der Familiengeschichte. Solche Situationen gehen nicht leicht von der Hand für die meisten von uns.

Umso verheerender wenn das Gutachten fertig ist und man sich in der Stellungnahme so gar nicht wiederendeckt. Wenn Ungereimtheiten bis hin zu falschen Inhalten im Gutachten stehen und auch die Empfehlungen nicht der eigenen Wirklichkeit entsprechen, zieht es manchem Elternteil sprichwörtlich die Schuhe aus.

Schlaflosigkeit, Trauer, Wut und auch große Angst sind die emotionalen Zustände in denen sich Eltern befinden, die eine solche Arbeit in den Händen halten. Wichtig – auch im Hinblick auf die Kinder – ist es jetzt sich professionelle Hilfe zu holen. Eine Psychotherapie ist nichts dessen man sich schämen muss. Viele Elern suchen sich in dieser Ausnahmesituation Hilfe und lassen sich „coachen“.Allerdings muss man auch vorsichtig sein, dass Verfahrensbeteiligte dies nicht negativ auslegen. Psychotherapie ist eine Privatsache, die im Verfahren nichts zu suchen hat.

Oftmals sind Psychotherapieplätze in Deutschland schwer zu finden, da es derzeit zu wenige Psychotherapeuten mit Kassenzulassung gibt. Ist die Wartezeit auf einen Therapieplatz mehr als drei Monate lang, gbt es eine Möglichkeit für gesetzlich Versicherte einen Therapeuten ohne Kassenzulassung auszuwählen.

Dazu muss man in einem Dokument die vergeblichen Anfragen genau festhalten – Name des Therapeuten, Datum und Uhrzeit der Anfrage und möglicher Therapiebeginn. Anschliessend kann sich der Versicherte bei seiner Krankenkasse melden und wenn diese nach einer angemessenen Frist (ca. eine Woche) auch keinen Psychotherapeuten stellen kann, kann er sich auf die Suche nach einem Privattherapeut machen.

Wichtig ist dabei, dass der Behandler eine Approbation hat. Die genaue Berufsbezeichnung ist „Psychologischer Psychotherapeut“. Mit einer Bescheinigung, dass ein Therapieplatz bei ihm frei ist und eine Behandlung notwendig ist, kann man dann seine Krankenkasse um Kostenübernahme nach §13 Abs. 3 SBG bitten.

Weiterhin sollten Betroffene versuchen die Vorwürfe und Anschuldigungen, die in dem Gutachten zu lesen sind, nicht persönlich zu nehmen – so schwer das auch fällt. Ein schlechtes Gutachten ist kein Einzelfall. Man muss sich nicht verstecken damit. Hilfe bietet die Vernetzung mit weiteren Betroffenen!

 

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Fotos: Jenni C Flickr Commons